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Lieberhausen - ein Dorf auf dem Weg ins hölzerne Zeitalter

Realisierung   Die Anlage   Weitere Daten

Vorgeschichte

Am 20. Februar 2001 wurde der Startschuss zum offiziellen Betrieb des ersten Holzfernheizwerkes in
Nordrhein Westfalen gegeben. Im oberbergischen Lieberhausen unweit von Gummersbach nahm NRW
Umweltministerin Bärbel Höhn im Beisein zahlreicher Vertreter aus Politik und Wirtschaft symbolisch das
als Pilotprojekt geltende Heizwerk in Betrieb.
Diesem feierlichen Akt ging ein langer beispielhafter Weg voraus.
Im Vorstand des örtlichen Heimatvereins wurde im Herbst 1997 das Thema "Nutzung regenerativer Energien" erstmals aufgegriffen.
Getreu nach dem Motto: »Global denken - Lokal handeln«, setzten wir uns zum Ziel, für unser Dorf
etwas Zukunftsorientiertes auf die Beine zu stellen und es mittelfristig von den fossilen Energieträgern
weitestgehend unabhängig zu machen.
Da der Einsatz regenerativer Energieträger auch ein erklärtes Ziel der Bundes- und Landesregierung ist,
bewegte man sich hier auf aktuellem Terrain.
Die Begrenztheit der konventionellen Energieressourcen und die Klimaveränderung erfordern einerseits
wirksame Maßnahmen zur Einsparung von Energie und andererseits den verstärkten Einsatz alternativer
Energieträger. Zunächst wurden alle verfügbaren Informationen, im wesentlichen Veröffentlichungen der
Fachpresse gesichtet und ausgewertet. Dabei stellte sich heraus, dass in Österreich, der Schweiz und in
Skandinavien bereits zahlreiche Holzheizwerke zur Versorgung ganzer Ortschaften existieren.
"Warum also sollte das, was woanders funktioniert, bei uns nicht möglich sein?", war die Frage, die wir
uns stellten. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung wurden interessierte Bürger zum Thema
informiert.
Erstaunlich war, dass es viele Vorurteile gab, brachte man mit Holz doch lediglich den heimischen
Kachelofen in Verbindung. Andere Bedenken galten dem "Verheizen unseres schönen Waldes".
Um diese Bedenken auszuräumen folgten weitere Informationsveranstaltungen.
Holz als nachwachsender Rohstoff und seine CO2-Neutralität als Energieträger wurden anschaulich nahe
gebracht. So nimmt ein Baum während seines Wachstums genau soviel CO2 auf, wie beim Verrotten
oder Verbrennen ausgestoßen wird. Zudem existiert in Deutschland eine nachhaltige Forstwirtschaft,
d.h. es wächst mehr Holz nach als eingeschlagen wird.
Zwei Informationsfahrten zu bestehenden Holzheizwerken folgten im Februar 1998.
Durch das persönliche Erleben, reduzierte sich die Zahl der Skeptiker merklich, so dass auf der
Jahreshauptversammlung des Heimatvereins die Erstellung einer Machbarkeitsstudie für ein
Holzheizwerk in Lieberhausen beschlossen wurde. Eine Auswertung hinsichtlich Alter, Art des
Energieträgers, Heizleistung und Jahresverbrauch wurde durchgeführt.
Das Ergebnis der Studie stellte sich wie folgt dar:
Die vorhandenen Ölkessel waren im Mittel 14 Jahren alt und der Gesamtjahresverbrauch an Heizöl
lag bei 387.000 Liter. Das gemeinsames Verlegen einer Wärmetrasse mit dem Abwasserkanal bzw. mit
der zu erneuernden Trinkwasserversorgungsleitungen würde sich kostenmäßig vorteilhaft auswirken.
Als Ergebnis der Studie konnte festgehalten werden: Bei Anschluss von 60 Häusern ist eine Rentabilität
eines Heizwerkes gegeben. Nun galt es das Projekt kostenmäßig abzusichern und auf seine
Einsparmöglichkeiten hin zu durchleuchten. Mit Hilfe der Energieagentur NRW wurden verschiedene
Betreibermodelle erörtert. Man entschied sich im Gegensatz zum Contracting für die Gründung einer
Genossenschaft. Stellt diese Betreiberform in nördlichen Breitengraden Deutschlands oft noch etwas
exotisch Anmutendes dar, so entbehrt sie doch gewisse Vorteile. Ausschlaggebend waren u.a. die
Einsparmöglichkeiten durch Eigeninitiative bei Planungs- und Personalkosten und auch die Wahrung der
Selbstbestimmung und Selbstverantwortung. Unter diesen Voraussetzungen reichten schon 1,7 Mio/kWh
oder umgerechnet ca. 42 Häuser, um das Projekt in die Praxis umzusetzen.