[wärmeverteilung]

Netzaufbau

Moderne Nahwärmeversorgungssysteme werden nahezu ausschließlich als Zweileiter-System (Vor-/Rücklauf) mit Heizwasser als Wärmeträgermedium betrieben.
Die Sonderfälle Dreileiter-Systeme und Vierleiter-Systeme werden im Anhang erläutert; Dampf- bzw. Kaltwassernetze finden in diesem Leitfaden keine Berücksichtigung.
Die Struktur (Netzform) von Wärmeverteilungsnetzen wird vor allem durch städtebauliche Gegebenheiten (Straßenführung, räumliche Anordnung der Häuser), die Netzgröße und die Einbindung der Wärmeerzeuger bestimmt (siehe Bild).
Bei kleinen und mittleren Fernwärmenetzen sind Strahlennetze vorzuziehen, da diese die geringste Trassenlänge haben.
Ringnetze ermöglichen die Einbindung mehrerer Erzeuger an unterschiedlichen Standorten; sie sind jedoch teurer, da die Trassenlänge und der Nenndurchmesser der Ringleitungen größer sind.
Diesem Nachteil steht der Vorteil der höheren Versorgungssicherheit und einfacheren Erweiterbarkeit gegenüber.
Maschennetze, die optimale Versorgungssicherheit und bessere Erweiterungsmöglichkeiten bieten, werden wegen hoher Investitionskosten nur für große Wärmeverteilungsnetze eingesetzt.

Der Trassenverlauf richtet sich nach geographischen bzw. städtebaulichen Gegebenheiten (Straßenführung, fremde Medienleitungen etc.) und den verwendeten Rohr- bzw. Verlegesystemen.

Die häufig eingesetzte "Standard-Trassenführung" in öffentlichen Wegen bietet die größte Flexibilität bzgl. des Anschlusses weiterer Kunden, da jeder Kunde separat an die Verteilleitung angeschlossen wird.
Bei dichter Bebauung ergeben sich jedoch aufgrund der vielen Abzweige und Formstücke hohe Investitionskosten.

Bei der "Haus-zu-Haus"-Trassenführung werden Häuser zu Gruppen zusammengefaßt und nur ein Haus an die Verteilleitung angeschlossen. Von diesem aus werden die anderen Häuser angebunden, so dass insgesamt weniger Abzweige von der Verteilleitung notwendig sind.
Da die Rohrleitungen durch Privatgrundstücke und Gebäude verlaufen, sind von den Eigentümern Genehmigungen bzw. "Wegerechte" einzuholen.
Bei einer Reihenhausbebauung geht die "Haus-zu-Haus"-Trassenführung in den Sonderfall der Kellerverlegung über.
Kostengünstig ist häufig eine Mischform aus "Standard-" und "Haus-zu-Haus-Trassenführung", die die Vorteile beider Systeme kombiniert.

Eine weitere, seltener angewandte Trassenführung ist die "Einschleif-Trassenführung", die auf keiner Netzstruktur (Strahlen-/Ringnetz) basiert, sondern alle Gebäude mittels der "Haus-zu-Haus-Trassenführung" (zumeist über Privatgrundstücke) erschließt.
Dies ermöglicht es, auf erdverlegte Rohrverbindungen und Abzweige weitestgehend zu verzichten; eine nachträgliche, nicht vorher eingeplante Netzerweiterung, ist jedoch nahezu unmöglich.
Daher ist die Einschleifmethode nur bei kleinen, geschlossenen Nahwärmenetzen mit flexiblen Rohrsystemen vorteilhaft.